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zuletzt aktualisiert:
15.10.2011

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Weihnachts-Kantilene

von Mathias Claudius

Maria war zu Bethlehem,
Wo sie sich schätzen lassen wollte;
Da kam die Zeit, daß sie gebären sollte;
Und sie gebar ihn -
Und als sie ihn geboren hatte
und sah den Knaben nackt und bloß;
Fühlt sie sich selig, fühlt sich groß,
und nahm voll Demut ihn auf ihren Schoß
Und freuet sich in ihrem Herzen fein,
berührt den Knaben zart und klein
Mit Zittern und mit Benedei´n,
und wickelt ihn in Windeln ein ...
Und bettete ihn sanft in eine Krippe hin.
Sonst war kein Raum für ihn.

Vor Gott gehts göttlich her,
und nicht nach Stand und Würden.
Herodem läßt er leer,
mit seinem ganzen Heer;
Und Hirten auf dem Felde bei den Hürden
Erwählet er.

Sie saßen da und hüteten im Dunkeln ihre Herde,
mit unbefangnen, frommen Sinn;
Da Stand vor ihnen an der Erde,
Eim Engel Gottes...und trat zu ihnen hin,
und sie umleuchtete des Herren Klarheit,
und er sagte ihnen die Wahrheit.

Und eilend auf sie standen,
Gen Bethlehem zu gehn,
und kamen hin und fanden,
Ohn´weiteres zu verstehn.
Maria und Joseph beide.
Und in der Krippe lag zu ihrer großen Freude,
in seinem Windelkleide,
auf Grummet von der Weide,
der Knabe wunderschön.

Die Väter hoffeten auf ihn mit Tränen
und mit Flehn,
und sehnten sich, den Tag des Herrn zu sehn,
und sahn ihn nicht.

Was Gott bereitete,
und von der Welt her heimlich und verborgen war,
ward in der Zeiten Fülle offenbar.

Die Weisen fielen vor ihm nieder,
und gaben ihre Schätze gern,
Und gaben Weihrauch, Gold und Myrrhen.
Sie sahen seinen Stern,
und kannten ihren Heiland, ihren Herrn,
und ließen sich das Heu und Stroh nicht irren.

Dem Menschen dünkt es wunderbar,
und mag es nicht verstehn;
doch ist´s wahrhaftig wahr!
und selig sind die Augen die ihn sehn.