Der wundersame Weihnachtsabend
des kleinen Björn
Verfasser noch unbekannt
Von hartgefrorenem Schnee bedeckt schimmerte die Heide, auf der man,
soweit das Auge reichte, nur eine ärmliche Hütte erblickte. Hier wohnte
eine arme Frau mit ihrem kleinen Sohn, und der hieß Björn.
Schon früh am Morgen war die Mutter aus dem Haus gegangen, um Einkäufe
zu machen. Jetzt ging die Sonne bald unter, und noch war sie nicht wieder
heimgekommen. Björn war allein in der Hütte; er hatte die Ellbogen auf
den Tisch gestützt und guckte durch das Fenster. Das hatte vier Scheiben;
drei davon waren mit wunderbaren Eisblumen überzogen, die vierte aber
hatte er so lange angehaucht, bis das Eis geschmolzen war. Er wartete
auf die Mutter, die mit einem Weizenbrot, einem Pfefferkuchen und einem
Weihnachtslichterzweig nach Hause kommen sollte, denn es war Weihnachtsabend;
aber noch war sie nicht zu sehen. Die Sonne ging unter, und die Wolken
am Himmelsgrund leuchteten wie die schönsten Rosen; dann wurde es draußen
dunkel.
Noch dunkler aber war es jetzt in der Hütte. Björn ging zum Herd, wo noch
einige verglimmende Kohlen in der Asche lagen. Es war so still, daß er
meinte,seine klappernden Holzschuhe könnten über die ganze Heide gehört
werden. Er setzte sich vor den Herd und fragte sich, ob wohl der Pfefferkuchenmann,
auf den er wartete, einen Kopf mit vergoldeten Hörnern und vier Beine
haben würde. Gern hätte er auch gewußt, wie es den Sperlingen am Weihnachtsabend
gehen würde.
Lange hatte Björn so gesessen, als er auf einmal von fernher Schellengeläute
hörte. Er sprang ans Fenster und drückte seine Nase gegen die Scheibe.
Wer mochte das wohl sein?
Alle Himmelslichter waren angezündet. Sie glitzerten und strahlten. Weit
draußen bewegte sich etwas Schwarzes über den Schnee. Es kam näher und
näher, und immer lauter tönte der Klang der Schellen.
"Wer ist das, der dort fährt? Er hält sich gar nicht auf dem Weg, sondern
kommt querfeldein über die Heide." Ach, nur einmal mit solchen Schellen
fahren oder gar selbst fahren dürfen! Kaum hatte Björn das gedacht, als
das Fuhrwerk auch schon vor dem Fenster hielt.
Es war ein Schlitten, mit vier Pferden, kleiner als die kleinsten Füllen,
bespannt. Sie waren stehengeblieben, aber sie schienen keine Lust zum
Verschnaufen zu haben, denn sie wieherten, schnaubten, schüttelten die
Mähnen und scharrten den Schnee auf. "Sei nicht unartig, Rapp! Still,
Schnapp! Niedlich, ruhig! Leichtfuß, fahr nicht aus der Haut!" rief der
Mann, der in dem Schlitten saß; dann sprang er heraus und kam ans Fenster.
So jemanden hatte Björn noch nie gesehen. Es war ein kleiner Mann, gerade
recht für solche Pferde. Sein Antlitz war voller Runzeln, und der lange
Bart glich dem Moos auf dem Dach. Der Pelzmantel reichte bis zu den Stiefeln.
In einem Mundwinkel hatte er ein Pfeifchen, aus dem anderen ringelte sich
der Rauch heraus.
"Guten Abend, Stupsnäschen!" sagte er.
Björn faßte an seine Nase und antwortete:"Guten Abend!"
"Ist jemand zu Hause?" fragte der Alte.
"Du siehst ja, daß ich zu Hause bin."
"Ja, da hast du recht. Ich frage ein bischen dumm. Aber du hast es so
dunkel da drinnen, obgleich es Weihnachtsabend ist."
"Ich bekomme Weihnachtsfeuer und Weihnachtslicht (schwedische Sitte auf
dem Land), wenn die Mutter nach Hause kommt. Denke nur, ein Licht mit
drei Zweigen!"
"Deine Mutter ist also nicht zu Hause. Fürchtest du dich nicht?" Der Alte
rieb seine Lederhandschuhe gegeneinander und nahm die Pfeife aus dem Mund.
"Hör mal, du Kauz, weißt du eigentlich, wer ich bin?"
"Nein", antwortete Björn, "aber weißt du denn, wer ich bin?"
Der kleine Alte nahm seine Pelzmütze ab, verbeugte sich und sagte: "Ich
habe die Ehre, mit Björn zu sprechen, der neulich seine ersten Hosen bekommen
hat, dem Helden, den auch der längste Bart nicht erschreckt. Du bist Björn,
und ich bin der Weihnachtsmann. Habe ich die Ehre, dir bekannt zu sein?"
"Ach, du bist der Weihnachtsmann? Da bist du ja ein guter Mann. Mutter
hat oft von dir erzählt."
"Das freut mich, Björn. Willst du mit mir kommen?"
"Das möchte ich schon, aber ich darf wohl nicht, denn was geschieht, wenn
Mutter heimkommt, und ich bin weg?"
"Ich verspreche dir, daß wir vor der Mutter wieder zu Hause sein werden.
Ein Mann hält sein Wort und eine Alte ihren Beutel, weißt du das nicht?
Komm jetzt!"
Björn sprang hinaus. Hu, aber wie kalt war's, und wie dünn war er bekleidet!
Die kleine Jacke war so eng, und die Holzschuhe hatten wieder Löcher in
die Strumpffersen gerieben. Aber der Weihnachtsmann hob Björn schnell
in den Schlitten, schlug das Fell um ihn herum, dampfte ihm eine Rauchwolke
um die Nase, daß er niesen mußte, und, klatsch, ging es fort.
Rapp und Schnapp, Niedlich und Leichtfuß flogen in rasender Eile über
den Schnee dahin, und die Silberglöckchen tönten über die Heide, als ob
die Glocken des Himmels erklängen.
Bald hatten sie die Heide hinter sich gelassen und waren in den dunklen
Wald gelangt, von dem Björns Mutter immer erzählte, daß die Bäume so hoch
drin ständen, als ob die Sterne an ihren Zweigen hingen. Manches Mal schimmerte
das Licht eines Hauses durch die Stämme.
Nach einer guten Weile fuhr der Weihnachtsmann mit seinem Gespann in einen
kleinen Stall. Zwischen den Steinen am Boden des Stalles guckte ein Kopf
mit zwei funkelnden Augen hervor, die auf den Weihnachtsmann geheftet
waren. Es war der Kopf der Hausschlange, die sich zu einer artigen Verbeugung
krümmte. Der Weihnachtsmann lüftete seine Pelzmütze und sprach:
"Ringelschwänzchen auf der Erd'
sag, was ist dies Haus wohl wert?"
Die Hausschlange antwortete:
"Bauer scheut nicht Last und Mühe,
hat ein Pferd und hat drei Kühe."
"Das ist nicht viel", sagte der Weihnachtsmann, "aber es wird mehr, wenn
Mann und Frau tüchtig sind. Sie fingen mit leeren Händen an und haben
ihre Eltern noch zu unterstützen. Wie halten sie denn die Kühe und das
Pferd?" Die Hausschlange antwortete:
"Die Euter sind stramm, die Milcheimer voll,
das Pferd ist mutig und stark, wie es soll."
"Noch ein Wort, Schnack-Ringelschwänzchen: Was hälst du von den Kindern
auf dem Hof?"
Schnuck-Ringelschwänzchen antwortete:
"Schöne Maid und frischer Knabe,
seine Laune etwas wild,
ihre aber sanft und mild."
"Sie sollen Weihnachtsgaben haben", sagte der Weihnachtsmann. "Und dir
gute Nacht, Schnuck-Ringelschwänzchen, angenehmen Weihnachtstraum!"
"Gute Nacht, du Rappe und Schnappe mein!
Gute Nacht, du Niedlich und Leichtfuß klein!
Gute Nacht, du teuerstes Weihnachtsmännlein!"
sagte die Schlange und zog den Kopf ein.
Hinter dem Schlittensitz war eine Kiste angebracht. Diese öffnete der
Weihnachtsmann nun und holte allerlei Sachen heraus: ein Abc-Buch und
ein Schnitzmesser für den Jungen, einen Fingerhut und ein Gesangbuch für
das Mädchen, Garn und ein Weberblatt und Weberschiffchen für die Mutter,
einen Kalender und eine Uhr für den Vater, und für Großvater und Großmutter
eine Brille. Außerdem aber nahm er noch die Hand voll von etwas, das Björn
nicht sehen konnte. "Das sind Glück- und Segenswünsche", sagte der Weihnachtsmann.
So beladen schlich er mit Björn unsichtbar in die Stube. Da drinnen saßen
sie alle um den knisternden Ofen, und der Vater las aus der Bibel die
Geschichte vom Jesuskind vor. Der Weihnachtsmann legte leise und unbemerkt
seine Gaben neben die Tür und ging mit Björn zum Schlitten zurück. Und
das rasche Gefährt trug sie wieder davon durch den dunklen Wald.
Das nächste Mal hielt der Weihnachtsmann vor einer Scheune, nahe bei einem
Gehöft. Man hörte ein gedämpftes, regelmäßiges Klappern, wie von Dreschflegeln;
aber dieses Geräusch wurde fast von einem Bach übertönt, der mit Steinen
und Fichtenwurzeln zankte. Der Weihnachtsmann klopfte an die Luke des
Scheunenladens, und dieser sprang auf. Drinnen standen zwei ganz kleine
lustige Burschen mit buschigen Augenbrauen, runden Kinderwangen und grauen
Jacken; es waren die Hauskobolde. Die droschen beim Schein einer Laterne,
daß der Staub in Wolken aufflog. Der Weihnachtsmann nickte und sagte:
"Zwerglein, Zwerglein, sagt mir doch,
warum drescht so spät ihr noch?"
Die Zwerge antworteten, die Dreschflegel schwingend:
"Der Garben sind viele,
wir fern noch vom Ziele,
tick-tick-tack, tick-tack,
so füllt sich der Sack."
"Aber am Weihnachtsabend kann man sich doch Ruhe gönnen", meinte der Weihnachtsmann.
Die Zwerge erwiderten sogleich:
"Reiche Saat, Kuchen rund.
Früh und spat, jede Stund'
hat Gold im Mund."
"Aber ihr erinnert euch doch, wo wir uns bald treffen sollen?"
Die Zwerge nickten und antworteten:
"Leb wohl jetzt, beim Riesen vom felsigen Berge,
da sehen sich wieder zusammen die Zwerge."
Der Weihnachtsmann öffnete abermals die Kiste und nahm die Hände voll
von Weihnachtsgaben und sprang hinauf zu Vater, Mutter und Kindern im
Bauernhof.
So ging es weiter von Hütte zu Hütte, von Hof zu Hof. Selbst vor dem Königsschloß
hielten sie, und auch dort öffnete der Weihnachtsmann die Kiste und ging
hinauf zum Königssohn. Schnell war er wieder unten bei Björn, denn die
Hofluft fiele ihm auf die Brust, wie er sagte. Rapp und Schnapp, Niedlich
und Leichtfuß waren schon ungeduldig, scharrten und wieherten. Der Weihnachtsmann
warf sich auf den Schlitten, und sie fuhren wieder in einen tiefen Wald.
"Nun geht die Fahrt zum Bergkönig", sagte der Weihnachtsmann geheimnisvoll.
Björn war eine Weile still, aber dann wagte er doch zu fragen: "Ist die
Kiste nun leer?"
"Beinahe", sagte der Weihnachtsmann und schob die Pfeife tiefer in den
Mund.
"Alle anderen haben Weihnachtsgaben bekommen, aber hast du denn gar keine
für mich?" fragte Björn.
"Ich habe dich keineswegs vergessen, deine Weihnachtsgabe liegt noch auf
dem Boden der Kiste."
"Zeig sie mir, dann bist du auch gut."
"Du kannst warten, bis du wieder heim zur Mutter kommst."
"Nein, Weihnachtsmann, laß sie mich jetzt sehen!" sagte Björn ungeduldig.
"Nun, so sieh her!" sagte der Weihnachtsmann, indem er sich herumdrehte
und aus der Kiste ein Paar dicke wollene Strümpfe herausholte.
"Weiter ist es nichts?" murmelte Björn.
"Sollten die nicht willkommen sein? Du hast ja Löcher in deinen Strümpfen!"
"Die hätte Mutter stopfen können. Da du dem Königssohn und den anderen
so herrliche und reizende Sachen geschenkt hast, konntest du mir doch
auch so etwas geben."
Der Weihnachtsmann antwortete nicht, sondern legte die Strümpfe wieder
in die Kiste, aber er zog den Rauch stärker aus der Pfeife als vorher
und sah auch ernsthaft aus, sehr ernsthaft. So ging die Fahrt schweigend
vorwärts, bis sie an einen hohen Berg kamen. Da stiegen sie aus dem Schlitten.
Der Weihnachtsmann gab Rapp und Schnapp, Leichtfuß und Niedlich einen
Haferkuchen. Darauf klopfte er an die Bergwand, und sie tat sich auf.
Er nahm Björn bei der Hand und ging mit ihm hinein in die Spalte. Sie
waren noch nicht viele Schritte gegangen, als Björn anfing, sich zu fürchten.
Da drinnen war es unheimlich. Es würde die schwärzeste Nacht geherrscht
haben, hätten nicht hie und da die glühenden Augen von Schlangen und Kröten
durch die Dunkelheit geleuchtet, die sich auf den feuchten Felsenvorsprüngen
krümmten und dort herumkrochen.
"Ich will nach Hause zur Mutter!" schrie Björn.
"Hab keine Angst", sagte der Weihnachtsmann.
Da schwieg der Junge.
"Was sagst du zu dieser Kröte?" fragte der Alte, nachdem sie eine Weile
gegangen waren, und deutete auf ein grünliches Ungeheuer, das auf einem
Stein saß und seine Augen auf den Jungen heftete.
"Sie ist greulich", sagte Björn.
"Die hast du hierher geschafft", sagte der Alte. "Siehst du, wie dick
und aufgeblasen sie ist? Das ist für die Unzufriedenheit und den Neid."
"Die hätte ich hergeschafft, sagst du?"
"Ja, gewiß. Du hast die anderen um ihre Gaben beneidet und das Geschenk
verachtet, das ich dir aus gutem Herzen geben wollte. für jeden bösen
Gedanken, der in einem Menschen aus dieser Gegend geboren wird, kommt
eine Kröte oder eine Schlange in die Felsspalte."
Björn schämte sich und schwieg.
Sie gingen weiter und weiter und kamen immer tiefer in den Berg hinein.
Allmählich fing es an, heller zu werden, und als sie um einen Fels bogen,
sah Björn mit Staunen einen großen glänzenden Saal vor sich. Die Wände
waren von Bergkristall, und ringsum standen viele Zwerge und hielten Fackeln,
deren Schein sich in den schönsten Regenbogenfarben an den Kristallen
brach. In der Mitte saß der Bergkönig auf einem goldenen Thron. Er war
in einen prächtigen Mantel gekleidet, der ganz mit Edelsteinen übersät
war, aber er sah sorgenvoll aus. An seiner Seite saß seine Tochter in
einem Kleid aus Silberstoff und sah noch gramvoller, ja gar wie eine Sterbende
aus. Sehr bleich, aber wunderschön war sie. Vor den beiden hing eine große
Waage, und um die herum standen Berggeister, die allerlei in die eine
und die andere Waagschale legten. Vor dem König stand eine unendliche
Schar von Hauskobolden aus den Höfen und Hütten von einigen Meilen im
Umkreis und erzählten alles, was die Menschen, in deren Haus sie sich
aufhielten, im Laufe des Jahres gedacht, gesagt und getan hatten. Für
jeden guten Gedanken und für jede gute Tat legten die Berggeister goldene
Gewichte in die eine Waagschale und für jeden bösen Gedanken und jede
schlechte Tat eine Kröte in die andere.
"Weißt du, Björn", flüsterte der Weihnachtsmann, "die Prinzessin ist sehr
krank; sie muß sterben, wenn sie nicht bald aus dem Berg herauskommt,
denn sie sehnt sich danach, des Himmels Luft zu atmen und das Gold der
Sonne und der Sterne zu sehen. Aber aus dem Berg kommt sie nicht eher
als an dem Weihnachtsabend, an dem die Waagschale des Guten auf den Boden
sinkt und die des Schlechten zur Decke steigt. Und das war bisher nie
der Fall. Jetzt kannst du sehen, daß die Schalen fast gleich stehen."
Kaum hatte der Weihnachtsmann das gesagt, da wurde er aufgerufen, um seinen
Bericht zu erstatten. Er hatte nicht wenig zu erzählen, und es war fast
nur Gutes, denn seine Erlebnisse erstreckten sich einzig auf die Weihnachtstage.
Und zu dieser Zeit pflegen die Menschen ja freundlicher gegeneinander
zu sein als sonst.
Die Berggeister legten nun immer mehr goldene Gewichte auf die Waage,
je länger der Weihnachtsmann erzählte, und die Waagschale des Guten wurde
schwerer und schwerer.
Aber Björn stand wie auf Nadeln, in der Furcht, daß auch sein Name genannt
werden würde, und er fuhr zusammen und wurde rot und blaß, als der Weihnachtsmann
endlich diesen Namen aussprach. Was der Weihnachtsmann von Björn und den
wollenen Strümpfen sagte, das will ich nicht wiedererzählen; aber verschweigen
kann ich doch nicht, daß einer der Berggeister die große Kröte, die Björn
vorher in der Bergspalte gesehen hatte, in die Schale des Bösen legte,
und sie wog schwer. Aller Augen, außer denen des guten Weihnachtsmannes,
der nach der anderen Seite sah, richteten sich auf Björn: die des Königs,
der Königstochter, der Hauskobolde, der Berggeister und der Zwerge; und
alle Augen sahen entweder streng oder sehr gramvoll aus; die der Königstochter
aber so mild und leidend, daß Björn sein Gesicht mit beiden Händen bedeckte
und nicht aufsehen mochte.
Der Weihnachtsmann erzählte nun, wie die arme Mutter den kleinen Björn
versorge, wie sie Matten flechte und Besen binde und diese an die Händler
verkaufe, um den Jungen zu ernähren, wie sie mit Freude und Liebe arbeite
und seinetwegen Entbehrungen ertrage, und wie sie glücklich sei über sein
frisches Wesen und sein mutiges Herz und seine blühenden Wangen und treuherzigen
Augen und gern seine Jugendstreiche verzeihe - ja, sie betete jeden Abend,
wenn er schon schlief, für ihn zu Gott, und heute morgen war sie in der
eisigen Winterkälte weit weg in das nächste Dorf gegangen, nur um ihm
am Weihnachtsabend mit einem Lichterzweig und anderen Dingen eine Freude
machen zu können. Und während der Weihnachtsmann so erzählte, legten die
Berggeister schwere goldene Gewichte in die Waagschale des Guten. Plötzlich
hüpfte die dicke Kröte heraus und verschwand in der Bergspalte, und die
Augen der freundlichen Königstochter wurden feucht, und Björn schluchzte
laut.
Ja, er weinte so sehr, daß er erwachte, und da war der Saal des Bergkönigs
verschwunden, und er lag in seinem Bett in der Hütte auf der Heide. Das
hellste Weihnachtsfeuer brannte lustig auf dem Herd, und die Mutter beugte
sich über ihn und sagte: "Armer kleiner Björn, mußtest so lange allein
in der Dunkelheit bleiben! Ich konnte nicht früher nach Hause kommen,
denn der Weg ist weit. Aber nun habe ich einen Lichterzweig und Weizenbrot
und Pfefferkuchen mitgebracht, und auch einen Kuchen, den du morgen den
Sperlingen geben sollst. Und sieh her", fuhr die Mutter fort, "hier hast
du ein Paar wollene Strümpfe, die ich für dich als Weihnachtsgabe gestrickt
habe, denn die hattest du nötig, du kleiner Reißteufel. Und hier hast
du ein Paar Lederschuhe, die ich für dich gekauft habe, damit du während
der Feiertage nicht in den Holzschuhen herumzutrappeln brauchst."
Björn hatte sich schon lange ein Paar Lederschuhe gewünscht, und nun betrachtete
er sie mit strahlenden Augen von allen Seiten. Aber noch länger beinahe
die wollenen Strümpfe, so daß die Mutter dachte, er wolle irgendeine falsche
Masche daran suchen. Björn aber schien es, als wären sie genauso wie diejenigen,
die er in der Kiste des Weihnachtsmannes gesehen hatte.
Nun wurde die Grütze auf den Herd gesetzt, ein weißes Tuch über den Tisch
gebreitet und der Lichterzweig angezündet. Björn sprang umher in den neuen
Strümpfen und Schuhen. Zwischendurch stand er am Fenster und sah forschend
und sinnend auf die Heide und wußte nicht recht, was er von der Fahrt,
die er gemacht hatte, denken sollte. Da draußen strahlten Tausende von
Sternen auf die einsame Gegend nieder. Und in der bescheidenen Hütte herrschten
Herdwärme, Herzenswärme und Freude.
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